Editorial #14

lailakettenDie Bonner Universität ist stolz auf ihre Naturwissenschaften. Und wie so ziemlich jede Universität  versucht sie, von der Exzellenzinitiative zu profitieren. Viele Gruppen bringen Argumente für die Strategie und den Aufbau der Exzellenzinitiative. Doch es gibt auch Gegenstimmen, die insbesondere die kleinen Fächer von der Exzellenzstrategie bedroht sehen. Wir stellen beide Positionen gegenüber und haben die Mathematiker_innen gefragt, inwiefern sie von der Initiative beeinflusst werden.
Auch die Fachschaften sehen sich zur Zeit großen Veränderungen ausgesetzt, da die Fachschaftenwahlordnung geändert wurde und nun in einigen Fachschaften der Fokus stärker auf einer möglicherweise kritisch zu bewertenden Personenwahl liegt. Dazu findet ihr in der Ausgabe ebenso einen kritischen Kommentar.
Weiterhin haben wir uns für euch mit der Veränderung des Sexualstrafrechts auseinandergesetzt und tragen zusammen, weshalb dieser in Teilen problematisch sein kann. Auch ein Interview von Anetta Kahane, ihres Zeichens Gründerin der Amadeu-Antonio-Stiftung, ist Teil dieser Ausgabe. Darin bezieht sie Stellung zum aktuellen Shitstorm, dem die Stiftung gerade ausgesetzt ist.
Wir stellen euch die Kulturgruppe „Vegactive“ vor und berichten über den Krav-Maga-Selbstversuch einer unserer Redakteurinnen.
Auch die Teilnahme am Fastenbrechen in einer deutschen Moschee ist Teil dieser Ausgabe.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen dieser vielfältigen Ausgabe und begrüßen euch mit der kommenden Ausgabe zum Start des neuen Semesters. Wie immer freuen wir uns über kritische Rückmeldungen und Diskussionsbeiträge und möchten uns an dieser Stelle für die zahlreichen Gastartikel bedanken, die diese Ausgabe gestalten.

Was ist eigentlich…

die Exzellenzinitiative?

 von Clarissa Clever

Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen wurde 2005 von der Sozialdemokratin Edelgard Bulmahn, damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, ins Leben gerufen. Es handelt sich hierbei um ein Förderprogramm, das die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Universitäten verbessern soll.
Nach Artikel 91b des Grundgesetzes dürften Bund und Länder nur in wenigen Ausnahmefällen im Bereich der Bildung miteinander kooperieren. Deshalb kann der Bund die Länder nur sehr eingeschränkt finanziell unterstützen. Was ist eigentlich… weiterlesen

Die Exzellenzinitiative ist ein Segen für unsere Universitäten

von Matthias Rübo (RCDS)

Der grundgesetzlich verankerte Föderalismus legt in der Finanzierung unserer Hochschulen eine klare Rollenverteilung fest: Die Bundesländer haben die Entscheidungshoheit in der Ausgestaltung ihrer Wissenschaftslandschaft und tragen deshalb auch die Kosten. Der Bund fördert punktuell einzelne Sonderprojekte oder im Einverständnis mit allen Bundesländern bei größeren bundesweiten Herausforderungen.
Die wohl kontroverseste Förderlinie von Seiten des Bundes stellt dabei die Exzellenzinitiative mit einem Fördervolumen von 4,6 Milliarden Euro über 10 Jahren (460 Millionen Euro pro Jahr) dar. Die Exzellenzinitiative ist ein Segen für unsere Universitäten weiterlesen

Schön unter sich bleiben

von Tobias Panthel (Juso-HSG)

Elite und Bewusstsein für den eigenen Glamour haben eine lange Tradition. Viel älter als die Idee der Chancengleichheit und Demokratie. Daher ist es auch kein Wunder, dass mit der Einführung der Exzellenzinitiative, im Rahmen einer europaweiten Reform des Hochschulwesens, die Tradition über die progressiveren (est. 1789) Ideale gesiegt hat. Man kann sich eine Menge Argumente für eine leistungsorientierte Einzelfinanzierung wissenschaftlicher Leuchtturmprojekte überlegen, aber im Grunde erscheint es doch albern: Wenn alle Beteiligten ehrlich wären, kann man die Frage nach der Exzellenzinitiative reduzieren auf die Frage danach, wie eine Gesellschaft sein soll und vor allem, was Bildung in dieser Gesellschaft bedeutet. Schön unter sich bleiben weiterlesen

Fachschaften – und wer sie vertritt

Ein Gastkommentar von Mark Pedron

Schon die Vielzahl der Fachschaften und ihre konstitutive Fachspezifizität machen es schwierig, etwas gemeingültiges über sie und ihre Vertretungen zu sagen. Nahezu alle Fachschaftsvertretungen (FSVen) verstehen sich als offener Kreis, in dem sich mit konkreten und spezifischen Belangen der jeweiligen Fachschaft befasst wird. Weit verbreitet ist dabei die Meinung, dass für Fachschaftspolitik all diejenigen geeignet sind, die sich um sie bemühen. Folgerichtig sieht daher ein neuer Wahlordnungsvorschlag der Fachschaftenkonferenz (FK) vor, die Verhältniswahl abzuschaffen. Fachschaften – und wer sie vertritt weiterlesen

Zum offenen AStA

ein Gastkommentar von Alena Schmitz

Die letzte Ausgabe der Friedrichs Wilhelm hat sich dankenswerterweise dem sogenannten Konzept des Offenen AStA gewidmet, das, zum Entsetzen vieler, nun im AStA experimentell erprobt wird. Leider sind einige dahinterstehende Ideen falsch dargestellt worden.
Die alte Koalition aus Jusos, LUST, Piraten und GHG hat im Laufe der letzten Jahre einige Verhaltensweisen entwickelt, die in einer so langen „Beziehung“ vermutlich auch die besten Ehepaare treffen: mal wurde viel geredet und doch nicht viel gesagt, mal schmollend geschwiegen, mal wurde versucht, eigene Interessen mit mehr als dem angemessenen Druck durchzusetzen. Der vielbeschworene Koalitionsvertrag war dann spätestens Ende letzten Jahres nur noch ein mehr oder weniger hübscher Wunschzettel ohne großartige Bindungskraft.
Aber natürlich hält uns mehr zusammen als nur eine Unterschriftensammlung unter einem Jahresplan, die jahrelange Zusammenarbeit hatte schon deutlich romantischere Grundlagen. Also hat namentlich die GHG überlegt, wie sie diesen Zustand des Dauerstreits wenn schon nicht beenden, so doch zumindest konstruktiver gestalten kann, um wieder zu einem deutlich angenehmeren Verhältnis zueinander zu finden. Zum offenen AStA weiterlesen

Fachschaften – und wer sie vertritt

Was meint die Faschschaft Mathematik zur Exzellenzinitiative?

Clarissa Clever im Gespräch mit Josua Sassen

josuasassenDer Fachbereich der Mathematik wird seit mehreren Jahren mit dem Exzellenzcluster ,,Mathematics: Foundations, Models, Applications“ durch die Exzellenzinitiative gefördert. Wir haben uns mit Josua Sassen, Vositzender des Fachschaftsrates der Mathematik, unterhalten, inwieweit diese Förderung Studierende betrifft. Fachschaften – und wer sie vertritt weiterlesen

„Das Interesse an veganen Themen hat zugenommen“

 Laila N. Riedmiller im Gespräch mit der Veganen HSG

Mitglieder der Veganen Hochschulgruppe Benjamin Kolb und Anna-Lena Tetzner. Foto: S. F. Johanns
Mitglieder der Veganen Hochschulgruppe Benjamin Kolb und Anna-Lena Tetzner. Foto: S. F. Johanns

Veganismus rückt immer mehr ins Bewusstsein insbesondere der jüngeren Generationen. Trotzdem gibt es noch immer viele Vorurteile und auch Ängste, wenn es um vegane Ernährung geht. Wir haben mit der Veganen Hochschulgruppe VegActive gesprochen, die seit 2008 in Bonn existiert und im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch viele neue Mitglieder wiederbelebt wurde. Aktuell besteht sie aus ca 12 regelmäßig aktiven Mitgliedern und einigen Interessierten. Annalena ist 22 Jahre alt und studiert Asienwissenschaften, Benjamin ist 20 Jahre alt und Mathe- und VWL-Student. „Das Interesse an veganen Themen hat zugenommen“ weiterlesen

„Wir müssen eine digitale Zivilgesellschaft aufbauen“

Anna-Lena Rackwitz im Interview mit Anette Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung wurde 1998 als eine Stiftung bürgerlichen Rechts gegen Rechtsradikalismus, Rassismus, Antisemitismus, Misogynie und Homophobie gegründet, sie wurde nach dem ersten Mordopfer des wiedervereinigten Deutschlands Amadeo Antonio benannt – dieser wurde 1990 von Nazis zu Tode geprügelt, weil er schwarz war. Neben verschiedenen Aktionen, Förderungen, Kampagnen und Hilfen für die Opfer rechter Gewalt – Stichwort: „Mut gegen rechte Gewalt“, „Netz gegen Nazis“ – hat die Amadeo Antonio Stiftung neuerdings den Begriff „Digitale Zivilgesellschaft“ geprägt; die Mitarbeiter im Allgemeinen und die Vorsitzende im Besonderen, Anetta Kahane, sind einer Hatz und Hetzkampagne ausgesetzt. Die Friedrichs Wilhem interviewte dazu Anetta Kahane zu rechtem Mob und ihrer Vorstellung einer digitalen Diskurskultur. „Wir müssen eine digitale Zivilgesellschaft aufbauen“ weiterlesen

Das neue Sexualstrafrecht

Fortschritt in seltsamer Gesellschaft

Eine Analyse von Jan Bachmann

Jeder sexuelle oder sexualisierte Übergriff kann sehr gravierende Auswirkungen auf die Person haben, die ihm zum Opfer fällt. Dies ist natürlich völlig unabhängig davon, ob der Übergriff strafbar ist oder nicht. Es ist eine Aufgabe der Gesellschaft, solche Übergriffe zu verhindern. Ein Mittel dabei ist das Strafrecht, das diese Aufgabe nicht komplett erfüllen kann und dies auch oft genug gar nicht erst versuchte.
Ein entscheidender Sinneswandel trat vor fast 5o Jahren ein, als man als Ziel des Sexualstrafrechtes nicht mehr den Schutz eines abstrakten Sittengesetzes, sondern den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung des einzelnen Menschen als seinen Zweck definierte (Siehe auch: fw No.6, S. 8f).
Dies bedeutete freilich nicht, dass auch die sexuelle Selbstbestimmung umfassend geschützt wurde. Durch die aktuellen Änderungen im Sexualstrafrecht ist man jedoch diesem Ziel ein Stück näher gekommen. Das neue Sexualstrafrecht weiterlesen